EnEV 2009: Was gilt oder ändert sich 2020?

Grundsätzlich gilt die Energieeinsparverordnung, kurz EnEV 2009, als energetischer Maßstab für den Neubau. Was genau das bedeutet und welche Änderungen es 2020 gab, erfahren Sie hier.

Was regelt die EnEV 2009?

Die Energieeinsparverordnung legt grundlegende energetische Anforderungen an beheizte oder klimatisierte Gebäude fest. Das bedeutet, dass die EnEV 2009 regelt, welchen Energieverbraucht ein Neubau haben darf.

Sie enthält Vorgaben zur Heizungs- und Klimatechnik sowie zum Wärmedämmstandard von Gebäuden. Beim Neubau gibt die EnEV bestimmte Anteile an regenerativen Energien vor, die das Gebäude zum Heizen oder auch Kühlen verwenden muss.

Solarthermieanlagen nutzen ebenfalls passive Energieressourcen und können auf dem Dach der Gebäude angebracht werden.  ( Foto: Shutterstock- zstock_)

Solarthermieanlagen nutzen ebenfalls passive Energieressourcen und können auf dem Dach der Gebäude angebracht werden. ( Foto: Shutterstock- zstock_)

Das Energiesparpotential ausschöpfen

Dass das Energiesparpotential im Gebäudesektor besonders groß ist, versteht sich fast von selbst. Hier werden rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der Bundesrepublik benötigt.

Außerdem entsteht hier ca. 20 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland. Diese Eckdaten sprechen für sich. Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist sowohl für die Bürger als auch für die Bundesregierung einleuchtend.

Aus diesem Grund werden auch von staatlicher Seite Anreize zum energetischen Bauen oder Sanieren gesetzt. Wer sich entscheidet ein energieeffizientes Gebäude zu bauen oder eine Bestandsimmobilie aufzurüsten, erhält Fördermittel über die KfW Bank. Diese stuft die unterschiedlichen Häuser nach den Werten aus der EnEV 2009 ein.

Welche Anforderungen gibt es beim Neubau?

Speziell für Neubauten sind die Energiewerte in der EnEV 2009 klar festgelegt. Oberstes Ziel hierbei ist die Reduktion der aufgewandten Energie in klimatisierten und beheizten Gebäuden.

Ausschlaggebend ist die Primärenergie, also die Energie, die in eine Immobilie geliefert wird, um den gesamten Energiebedarf zu decken. Außerdem sind hier die Energieträger und ihre Auswirkung auf die Umwelt berücksichtigt. Moderne Haustechnik kann hier eine große Rolle spielen.

Heiztechniken, die auf erneuerbare Ressourcen setzen, sind dabei vorgesehen. Das kann beispielsweise mit den folgenden Systemen erfüllt werden:

  • Wärmepumpe
  • Solarthermieanlage
Da es in der EnEV 2009 verankert ist, dass Neubauten einen möglichst geringen Energieaufwand anstreben sollten, ist die Wärmepumpe eine besonders innovative Lösung.  ( Foto: Shutterstock- _Studio Harmony )

Da es in der EnEV 2009 verankert ist, dass Neubauten einen möglichst geringen Energieaufwand anstreben sollten, ist die Wärmepumpe eine besonders innovative Lösung. ( Foto: Shutterstock- _Studio Harmony )

Wärmepumpe

Da es in der EnEV 2009 verankert ist, dass Neubauten einen möglichst geringen Energieaufwand anstreben sollten, ist die Wärmepumpe eine besonders innovative Lösung. Hier wird nur Strom für den Antrieb der Pumpe selbst benötigt. Ansonsten wird die Wärme aus dem Erdinnern genutzt, um die Räume im Innern der Immobilie zu beheizen.

Solarthermieanlage

Solarthermieanlagen nutzen ebenfalls passive Energieressourcen und können auf dem Dach der Gebäude angebracht werden. Über die Solarkollektoren wird die Sonneneinstrahlung genutzt und kann sogar gespeichert werden. Der Warmwasserbedarf im Haushalt kann damit beispielsweise prima gedeckt werden.

Nicht zu niedrig ansetzen

Wer sich für den energieeffizienten Bau entscheidet, sollte im Blick behalten, dass die technologische Entwicklung stetig fortschreitet.

Ölheizungen haben in Neubauten heutzutage nichts mehr zu suchen. Zumindest ergänzende energetische Heiztechniken sind inzwischen auch Grundvoraussetzung, um eine staatliche Förderung zu erhalten. Dies gilt allerdings auch nur noch dann, wenn innerhalb von 2 Jahren komplett umgerüstet wird.

Generell gilt es sich nicht an den Mindestanforderungen der EnEV 2009 zu orientieren. Zwar sind diese Anforderungen gesetzlich konform, allerdings schläft der technische Fortschritt nicht. Energetische Maßnahmen und die Sanierung, die nur das Minimum umfasst, werden schon bald überholt sein. Deshalb gilt es bereits heute nach möglichst hohen Energiestandards zu streben.

Um nur einen Bruchteil der in der EnEV 2009 festgelegten Werte zu erzielen, sind bauliche Maßnahmen notwendig. Diese sind natürlich zunächst mit relativ hohen Investitionskosten verbunden. Allerdings gibt es hierzu auch großzügige Fördermöglichkeiten.

Energetische Maßnahmen und die Sanierung, die nur das Minimum umfasst, werden schon bald überholt sein. Deshalb gilt es bereits heute nach möglichst hohen Energiestandards zu streben.  ( Foto: Shutterstock- ungvar _)

Energetische Maßnahmen und die Sanierung, die nur das Minimum umfasst, werden schon bald überholt sein. Deshalb gilt es bereits heute nach möglichst hohen Energiestandards zu streben. ( Foto: Shutterstock- ungvar _)

Fördermittel in Anspruch nehmen

Förderungsmöglichkeiten für den energieeffizienten Bau gibt es in Deutschland von verschiedenen Einrichtungen. Dazu gehört das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) oder regionale Programme von den einzelnen Ländern. Die größte Fördereinrichtung der Bundesrepublik und der ganzen Welt ist allerdings die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Die KfW Bank bietet hierzu unterschiedliche Förderprogramme an. Alle Fördermöglichkeiten orientieren sich hier an der EnEV 2009. Grundsätzlich ist die Förderung in Form eines zinsgünstigen Kredits mit Tilgungszuschuss oder Direktzuschüssen möglich. Zunächst wird dabei die jeweilige Immobilie als KfW-Energieeffizienzhaus eingestuft. Abhängig davon sind dann die gewährleisteten Fördermittel.

Das KfW-Effizienzhaus 100 ist dabei der Maßstab. Die Kennzahlen der Energiehäuser entsprechen dabei dem Prozentwert an den EnEV 2009 Werten, die ein Gebäude benötigt. Das bedeutet, dieses Effizienzhaus benötigt die vollen 100 Prozent der festgelegten Primärenergie und des Transmissionswärmeverlusts der Energieeinsparverordnung. Ein KfW-Effizienzhaus 55 dagegen, benötigt eben nur 55 Prozent dieser Werte.

Video: Die Wärmedämmung | Doku

Die KfW-Effizienzhäuser

Die folgenden KfW-Effizienzhäuser sind nach den Richtlinien der EnEV 2009 möglich.

KfW Effizienzhaus 55 Primärenergiebedarf: 55 Prozent
Transmissionswärmeverlust: 70 Prozent
Kreditdaten: bis zu 120.000 Euro mit 40prozentigem Tilgungszuschuss oder bis zu 48.000 Euro Investitionszuschuss möglich
Effizienzhaus 70 Primärenergiebedarf: 70 Prozent
Transmissionswärmeverlust: 85 Prozent
Kreditdaten: bis zu 120.000 Euro mit 35prozentigem Tilgungszuschuss oder bis zu 42.000 Euro Investitionszuschuss möglich
Effizienzhaus 85 Primärenergiebedarf: 85 Prozent
Transmissionswärmeverlust: 100 Prozent
Kreditdaten: bis zu 120.000 Euro mit 30prozentigem Tilgungszuschuss oder bis zu 36.000 Euro Investitionszuschuss möglich
Effizienzhaus 100 Primärenergiebedarf: 100 Prozent
Transmissionswärmeverlust: 115 Prozent
Kreditdaten: bis zu 120.000 Euro mit 27,5prozentigem Tilgungszuschuss oder bis zu 33.000 Euro Investitionszuschuss möglich
Effizienzhaus 115 Primärenergiebedarf: 115 Prozent
Transmissionswärmeverlust: 130 Prozent
Kreditdaten: bis zu 120.000 Euro mit 25prozentigem Tilgungszuschuss oder bis zu 30.000 Euro Investitionszuschuss möglich

Video: Wärmedämmung mit Hanf – der ökologische Dämmstoff der Zukunft

Die KfW-Förderprogramme

Wer mit energetischen Maßnahmen die Energiewerte der EnEV 2009 möglichst unterbietet, hat die Möglichkeit durch die KfW Förderkredite, Tilgungszuschüsse oder Direktzuschüsse zu erhalten.

Die folgenden Förderprogramme kommen hierfür in Frage.

Programm 151 – Energieeffizient sanieren Dieser Kredit ist für die komplette Sanierung eines Gebäudes oder für einzelne Maßnahmen zu beanspruchen. Er wird bis zu einer Höhe von 120.000 Euro, wenn es sich um ein Effizienzhaus handelt. Einzelmaßnahmen werden mit Krediten bis 50.000 Euro gefördert. Der Tilgungszuschuss beträgt bis zu 48.000 Euro.
Programm 430 – Energieeffizient sanieren Hierbei handelt es sich um einen Investitionszuschuss für eine komplette Sanierung oder auch für einzelne Maßnahmen. Der Zuschuss beträgt bis zu 48.000 Euro für ein ganzes Gebäude oder bis zu 10.000 Euro für Einzelmaßnahmen. Der Zuschuss kann auch für den Kauf von saniertem Wohnraum in Anspruch genommen werden.
Programm 431 – Energieeffizient bauen und sanieren Dieser Zuschuss ist für den Energieberater gedacht und beträgt bis 4000 Euro. Bis zu 50 Prozent der Kosten für den Experten werden durch die Förderbank übernommen.

Video: Was ist ein Energieausweis und wie liest man ihn richtig? | Stadtwerke Düsseldorf

EnEV: Was ist neu?

Die erste EnEV wurde bereits im Jahr 2002 verabschiedet. Seitdem sind die Anforderungen schrittweise immer mehr verschärft worden. Die EU-Gebäuderichtlinie fordert jetzt, dass die Mitgliedsstaaten ab 2021 nur noch Niedrigst- oder Null-Energie-Neubauten erlauben. Die Bundesregierung möchte bis 2025 klimaneutrale Gebäude erreichen.

Klimaneutral bedeutet dabei, dass die primärenergetischen Kennwerte auf bis zu 0 Prozent sinken sollen. Es wird also ausschließlich mit erneuerbaren Energien gearbeitet. Ziel der Kommission ist es außerdem bis 2020 den Primärenergiebedarf insgesamt um 20 Prozent zu verringern. Der Stromverbrauch soll von 100 Prozent auf 90 Prozent sinken. Diese Werte gelten im Vergleich zum Jahr 2008.

Ab 2020 bis 2050 sind weitere Reduktionen geplant. Neben dem klimaneutralen Bauen soll die Primärenergie um weitere 30 Prozent auf 50 Prozent im Vergleich zu 2008 sinken. Der Stromverbrauch soll in Deutschland auf 75 Prozent abfallen.

Mit der richtigen Dämmung EnEV Werte erzielen

Um den Primärenergiebedarf in einem Gebäude zu senken, kommt es vor allem auch auf die richtige Dämmung an. Hierbei stehen Bauherren und Eigentümern viele verschiedene Wärmeverbundsysteme zur Verfügung, die es möglich machen, die EnEV 2009 Werte zu unterbieten.

Um den Primärenergiebedarf in einem Gebäude zu senken, kommt es vor allem auch auf die richtige Dämmung an.  ( Foto: Shutterstock-_Bilanol )

Um den Primärenergiebedarf in einem Gebäude zu senken, kommt es vor allem auch auf die richtige Dämmung an. ( Foto: Shutterstock-_Bilanol )

Vor allem die richtige Wahl des Dämmstoffes ist entscheidend.

  • Vakuumdämmung
    Vakuumdämmplatten werden gerne in modernen Neubauten verwendet, sowie zur Nachrüstung bei Altbauten.

    Vorteile: Die Platten sind sehr dünn bei einer hohen Dämmwirkung. Wenn im Innenraum gedämmt wird, bleibt die Fläche des Wohnraumes weitgehend erhalten.

    Nachteile: Die Dämmplatten können nicht zugeschnitten werden und der Bedarf an verschiedenen Größen muss vorher genau berechnet werden. Wenn man später hinein bohrt, kann das Vakuum irreparabel zerstört werden. Um dennoch Wandregale, Spiegel oder gerahmte Urlaubs- und Familienfotos aufhängen zu können, muss man sich dann folgende Helferlein dienlich machen:


    Die Bilderkralle hilft Ihnen, Bilderrahmen, Wandkalender oder auch Jacken und Schlüssel aufzuhängen und muss dafür nur in die oberste Schicht des Putzes eingedrückt werden.


    Ein Kraftkleber, wie der Fischer 320 KG Kleber eignet sich, um direkt auf Putz Wandregale oder TV-Wandhalterungen anzukleben. Bei tapezierten Wänden sollte vorher die Tapete auf der Klebefläche entfernt werden.

  • Polystyrol / EPS
    Der günstigste und am häufigsten verwendete Dämmstoff ist das Polystyrol oder EPS.

    Vorteile: Das Material ist besonders schnittfest und leicht. Die Dämmleistung des Polystyrols ist trotzdem sehr gut. Außerdem ist es leicht zu beschichten. Bei der Bearbeitung des Stoffs ist zudem keine Schutzkleidung notwendig. Es fliegen keine gesundheitsgefährdenden Fasern durch die Luft.

    Nachteile: Das Material wird leider häufig mit Hausbränden in Verbindung gebracht. Kommt der Stoff tatsächlich direkt mit Flammen in Berührung, kann ein Schwelbrand entstehen.

  • Mineralwolle
    Auch die Mineralwolle wird sehr gerne als Dämmstoff genutzt.

    Vorteile: Mineralwolle ist nicht brennbar und absorbiert außerdem Lärm. Wird also mit diesem Material gedämmt, hat man sogleich einen integrierten Lärmschutz vor der Außenwelt. Die Dämmeigenschaften sind ähnlich gut, wie bei EPS. Außerdem ist auch die Mineralwolle finanziell erschwinglich. Gegen Schimmel und Fäulnis ist sie außerdem beständig

    Nachteile: In der heutigen Mineralwolle werden zwar keine krebserregenden Fasern mehr eingearbeitet, trotzdem kann sie bei direktem Kontakt Juckreiz auslösen und zu allergischen Reaktionen führen.

  • Naturfasern
    Die Naturfaser ist für alle ökologischen Bauherrn und Eigentümer das Material der Wahl.

    Vorteile: Der größte Vorteil der Naturfasern ist natürlich, dass sie die Ressourcen schonen. Auch sie bieten gute Dämmeigenschaften, auch wenn sie nicht ganz so hoch ausfallen, wie bei den beiden vorher genannten Materialien.

    Nachteile: Dämmstoffe aus Hanf, Holz, Kork, Stroh oder Kokos sind natürlich leider brennbar. Diese Materialien sind außerdem fast dreimal so teuer, wie Styropor.

Fazit: Werte der EnEV 2009 als Mindestanspruch

Die Energiewerte für Neubauten werden grundsätzlich in der EnEV 2009 geregelt. Wer heute allerdings ein Haus bauen möchte, sollte diese Werte lediglich als Mindestanspruch ansehen. Der Fortschritt der Heiz- und Dämmtechniken kann innerhalb kürzester Zeit enorm sein, weswegen auch die Energieeinsparverordnungen immer höhere Messlatten setzen.

Bis 2050 sollen klimaneutrale Gebäude gefördert werden. Wer also clever ist, setzt schon jetzt auf moderne Techniken, die auf Basis von erneuerbaren Energien arbeiten. Förderungen durch die KfW erleichtern Bauherren und Eigentümern außerdem das Aufrüsten im Gebäudesektor. Hier liegt ein großes Energiesparpotential und die Möglichkeit dem Klimawandel entgegenzuwirken begraben.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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