Wirtschaftsentwicklung Frankreich

Die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich im Jahr 2018 steht im Blickpunkt der Europäer. Viel Erwartung an die Zukunft steckt darin. Während die Arbeitslosigkeit sinkt, ist das Wachstum der Wirtschaft Frankreichs so hoch wie schon lange nicht mehr. Eigentlich könnten die Franzosen zufrieden sein, doch das Stimmungsbarometer in Frankreich steht im Keller. Unkenrufe werden laut, die Präsident Macron dafür verantwortlich machen.

Wirtschaftsentwicklung: wann wird Frankreich Deutschland überholen

Der Franzose klagt sehr gerne über die wirtschaftliche Lage Frankreichs, insbesondere, wenn es um den Vergleich zu dem ach so privilegierten Deutschland geht. Dabei stört sich der Franzose auch nicht daran, dass die Zahlen eine völlig andere Sprache sprechen, nämlich die der Stärke.

Frankreichs Wirtschaft ist stärker denn je. Die Beschäftigungszahlen erreichen historische Höchststände. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich sinkt in atemberaubender Geschwindigkeit. Und dennoch verkneift sich der Franzose den Jubel. Übernimmt er womöglich die gute deutsche Tradition, zum Lachen in den Keller zu gehen?

INSEE stellt klar: „Frankreich geht es so gut wie nie zuvor“

Die zuversichtlichen Zahlen kommen von keinem geringeren als dem staatlichen französischen Statistikinstitut INSEE. Die Zahl der Beschäftigten in der französischen Privatindustrie stieg im Jahr 2017 auf 19,3 Millionen Personen. Den letzten Höchststand konnte das Jahr 2008 vorweisen. In nur drei Jahren stieg so die Beschäftigtenzahl um etwa 600.000 Personen. Doch noch im französischen Präsidentschaftswahlkampf hörte man nur warnende Stimmen vom Niedergang der französischen Wirtschaft reden.

Die Infografik macht es deutlich. Die Jahre 2016 bis 2017 bescherten der französischen Privatwirtschaft eine historische Höchstzahl an Beschäftigten. Die Zahl erhöhte sich in diesen drei Jahren um sage und schreibe 600.000 Personen. Die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich kann sich sehen lassen.

Die Infografik macht es deutlich. Die Jahre 2016 bis 2017 bescherten der französischen Privatwirtschaft eine historische Höchstzahl an Beschäftigten. Die Zahl erhöhte sich in diesen drei Jahren um sage und schreibe 600.000 Personen. Die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich kann sich sehen lassen.

Arbeitslosigkeit in Frankreich? Pas du tout!

Das staatliche französische Statistikinstitut INSEE monitort die Arbeitslosigkeit seit dem Jahr 1975. Im Vergleich nahm die Arbeitslosigkeit in Frankreich noch nie so schnell ab, wie in den letzten vier Monaten des Jahres 2017. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies für das Jahr 2017 einen Rückgang der Arbeitslosigkeit in Frankreich um 1,1 Prozentpunkte auf nurmehr 8,9 Prozent. Dennoch ist auch diese Kennzahl in Frankreich kein Anlass für Freude.

Im Falle Frankreichs sind natürlich stets auch die Überseegebiete zu berücksichtigen. Bezieht man deren Zahlen jedoch nicht mit ein, kommt man für die Arbeitslosigkeit auf eine Quote von sogar nur noch 8,6 Prozent. Damit liegt Frankreich im Mittel der EU-Mitgliedsstaaten. Eigentlich hätte Frankreich allen Grund zur Freude über die Entwicklung, wurde doch besonders die Jugendarbeitslosigkeit um ein Fünftel von 25 Prozent auf 20 Prozent reduziert. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen nahm um fast ein Viertel auf 3,6 Prozent ab.

Für die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich prognostiziert INSEE für das Jahr 2018 ein Wachstum von zwei Prozent. Im jahr 2017 hatte die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich bereits den hervorragenden Wachstumswert von 1,9 Prozent erreicht.

Über die Handelsbilanz

Für Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire steht die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich immer noch "Am Anfang". (#1)

Für Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire steht die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich immer noch „Am Anfang“. (#1)

Den zurückhaltenden Tenor schlug auch Wirtschaftsminister Bruno Le Maire an, welcher die Zahlen der INSEE ja kennen sollte: „Für uns ist das alles noch der Anfang … Echte Ergebnisse werden wir an der Arbeitslosenfront erst in zwei Jahren verbuchen.“. Eine Sorgenfalte auf der Stirn von Bruno Le Maire kann bestenfalls die französische Handelsbilanz darstellen. Das Außenhandelsdefizit Frankreichs von 62,3 Milliarden Euro liegt 28,9 Prozent über jenem von 2016.

An dieser Stelle kommt auch Deutschland ins Spiel – Japan aber auch. Die prosperierende Wirtschaftsentwicklung in Frankreich führte zu massiven Investitionen der Privatunternehmen in Frankreich. Zu den Investitionsgütern gehörten naturgemäß deutsche Maschinen und Roboter aus Japan. Jedoch auch der französische Verbraucher hat sein Scherflein zur negativen Handelsbilanz beigetragen. Erhöhte Importe von Waren aus Osteuropa und China gehen auf das Konto des privaten Konsums.

Frankreichs Anteil am Welthandel

Früher warf man den Franzosen vor, spanische Qualität zu deutschen Preisen zu verkaufen. Seit damals könnte sich einiges geändert haben. Dennoch ist es Fakt, dass Frankreichs Anteil an den Exporten weltweit von 4,7 Prozent im Jahr 2000 auf nurmehr 3 Prozent im Jahr 2017 zurückging. Das macht immerhin etwa ein Drittel aus und zeugt von einer dauerhaften Schwäche der französischen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb.

Die Reformen von Emmanuel Macron

Die Anstrengungen zur Erneuerung sind in Frankreich gewaltig. Emmanuel Macron hat einige Reformen lanciert und damit reussiert. Die marode Grande Nation hat damit einen Teil ihres alten Glanzes zurückgewonnen. Manche Ökonomen rechnen für 2018 mit einer Wirtschaftsentwicklung in Frankreich von plus 2,4 Prozent, womit man die Erwartung der INSEE noch übertrifft.

In der Zeit als Marine Le Pen Oberwasser hatte, stand es um die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich gar nicht so gut. (#2)

In der Zeit als Marine Le Pen Oberwasser hatte, stand es um die Wirtschaftsentwicklung in Frankreich gar nicht so gut. (#2)

Die Ausgangslage war damals so gar nicht rosig. Anfang 2017 zählte Frankreich zu den Sorgenkindern Europas und drohte, die Rote Laterne von Italien zu überehmen. Marine Le Pen vom rechtsradikalen Front National konnte die Gunst der Stunde nutzen und sich mit Abstand in die beste Position für die französische Präsidentschaftswahl bringen.

Der Turnaround ist Frankreich gut gelungen. Von der damaligen Besorgnis der internationalen Investoren an den Finanzmärkten ist nichts mehr zu spüren. Der Aufschwung der Wirtschaft ist nur zu deutlich zu spüren und auch die lage am Arbeitsmarkt hat sich kräftig entspannt. Der kranke Mann Europas hat seine Reha hinter sich gebracht. Sein Leibarzt Dr. Macron setzt konsequent seine Wahlversprechen um und reussiert in unerwarteter Intensität. Wenn es Frankreich gelingt, das Wachstum von 2,4 Prozent zu erzielen, könnte Frankreich Deutschland vom Siegertreppchen schubsen.

Das französische Arbeitsrecht

Das französische Arbeitsrecht war schon immer eine der heiligen Kühe Frankreichs. Wer daran rüttelte, sah sich stets heftigsten Attacken ausgesetzt. Doch Macron nahm die Festung im Handstreich und das gleich zu Beginn seiner Legislaturperiode.

Die Phalanx der Gescheiterten ist schier endlos. Jacques Chirac scheiterte 2006 an der zweijährigen Probezeit für jüngere Arbeitnehmer, Nicolas Sarkozy und François Hollande verzweifelten an der Angleichung des französischen Arbeitsmarkts an das deutsche Vorbild.

Macron rollte über die Gewerkschaften hinweg. Nach der Sommerpause 2017 setzte er die Erleichterung von Kündigungen, gedeckelte Abfindungen und stärkere Betriebsvereinbarungen um. Damit begnügt er sich jedoch nicht. Die Arbeitslosenversicherung und die berufliche Aus- und Weiterbildung stehen auf dem Plan. Die Vereinheitlichung der 25 Rentenkassen Frankreichs wird die Privilegien einzelner Berufe kappen. Ganz gleich, ob Macron alle seine Reformen durchsetzen wird oder nur einige: der Wirtschaftsstandort Frankreich wird davon profitieren, wird er doch wieder wettbewerbsfähig. Und davon profitieren letztlich alle.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild 360b, #1 GERARD BOTTINO, #2 Frederic Legrand – COMEO

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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