Was sind Anlageklassen? Definition, Übersicht, Rollen & Risiken

Um die Rendite nachhaltig steuern zu können, müssen die Anlagenklassen gezielt ausgewählt werden. Nicht jede Klasse passt zu jedem Anleger, nicht jeder kann das gleiche Risiko tragen. Ein Überblick über die verschiedenen Anlageklassen.

Definition und Überblick der Anlageklassen

Verschiedene Kapitalanlagen, die ein ähnliches Profil aufweisen, können in einer Anlageklasse zusammengefasst werden. Dabei erfolgt die Einteilung der Anlageklassen nach ihren Eigenschaften und nach anzuwendenden Gesetzen.

Relevant sind dabei

  • die Volatilität,
  • die Laufzeit,
  • die Mindestanlagesumme,
  • die Liquidierbarkeit,
  • die Risikoklasse sowie
  • Chancen und Erträge.

Fakt ist dabei, dass ein hohes Risiko die Chance auf eine hohe Rendite erhöht, gleichwohl können auch die Verluste sehr groß werden. Je länger die Laufzeit der Anlageklasse gewählt wird, desto eher kann sich ein Verlust wieder ausgleichen..

Erwirbt ein Anleger Aktien, so erwirbt er auch Anleihen an einem Unternehmen, das als Aktiengesellschaft auftritt.  ( Foto: Shutterstock-Freedomz )

Erwirbt ein Anleger Aktien, so erwirbt er auch Anleihen an einem Unternehmen, das als Aktiengesellschaft auftritt. ( Foto: Shutterstock-Freedomz )

Die verschiedenen Anlageklassen in der Übersicht

Die verschiedenen Anlageklassen sind nach den oben genannten Kriterien unterteilt. Dabei ist nicht jede Anlageklasse für jeden Anleger geeignet, denn die Zusammenstellung des Portfolios ist von den eigenen finanziellen Möglichkeiten, von der Risikobereitschaft und von der gewünschten Rendite abhängig.

Die folgenden Anlageklassen kommen für das Portfolio infrage:

  • Immobilien

    Sie werden auch als „Backsteingold“ bezeichnet und gehören zu den beliebtesten Anlageklassen. Ob nun die eigenen vier Wände errichtet werden, die dann im Alter mietfrei bewohnt werden können, oder ob es sich um Pflegeappartements als Kapitalanlage handelt, ist verschieden.

    Generell aber investieren die Deutschen sehr gern in Immobilien und vergessen dabei leicht, dass hier auch Verluste möglich sind. Bei einer vermieteten Immobilie können dies Mietausfälle sein, bei der selbst genutzten Immobilie deren Wertverlust durch die Veränderung der direkten Umgebung (zum Beispiel durch den Bau eines Industriegebiets). Wer auf Nummer sicher gehen will, investiert daher lieber in Immobilienfonds, die mehr Unabhängigkeit für den Investor garantieren. Die gesamte Bewirtschaftung des Fonds wird durch den Fondsverwalter übernommen.

    Bei geschlossenen Immobilienfonds werden die vorbestimmten Immobilien erst nach der Einsammlung der nötigen Gelder bei den Investoren gekauft. Die Immobilien werden nach einer definierten Haltedauer wieder veräußert, die Gewinne unter den Investoren aufgeteilt. Die Bindungsdauer liegt hier bei 15 bis 20 Jahren. Bei offenen Immobilienfonds hingegen ist die Haltedauer nicht so lange, die Immobilien werden hier fortlaufend erworben und bewirtschaftet, danach wieder veräußert.

    Wer die hohe Kapitalbindung scheut, die mit dem Kauf einer Immobilie gewöhnlich verbunden ist, kann sein Kapital über Immobilienfonds breiter streuen und erreicht dadurch eine größere Unabhängigkeit.

    Sie werden auch als „Backsteingold“ bezeichnet und gehören zu den beliebtesten Anlageklassen. Ob nun die eigenen vier Wände errichtet werden, die dann im Alter mietfrei bewohnt werden können  ( Foto: Shutterstock-Serhii Krot )

    Sie werden auch als „Backsteingold“ bezeichnet und gehören zu den beliebtesten Anlageklassen. Ob nun die eigenen vier Wände errichtet werden, die dann im Alter mietfrei bewohnt werden können ( Foto: Shutterstock-Serhii Krot )

  • Spareinlagen

    Spareinlagen gehören zu den typischen Anlageklassen, die für Menschen seit jeher wichtig sind und genutzt werden, ohne dass sich die Betreffenden wirklich Gedanken über ihre Form des Geldanlegens gemacht haben. Spareinlagen gelten als sicher und risikolos, allerdings sind die zu erwartenden Renditen gleich null.

    Sie sind vor allem für die Anleger interessant, die in erster Linie auf Sicherheit setzen und die jegliches Risiko vermeiden wollen. Vergleichbar mit den Spareinlagen sind auch Tagesgeld und Festgeld, wobei Festgeldanlagen länger gebunden sind. Sie werden dafür höher verzinst. Besonders liquide ist das Tagesgeld, dafür ist hier die Rendite innerhalb der Anlageklasse am niedrigsten.

  • Anleihen (Video)

    Es gibt verschiedene Anlageklassen, die von diversen Geschehnissen beeinflusst werden. So auch die Anleihen, bei denen der Anleger als Kapitalgeber direkt in Firmen und Organisationen investiert und somit zum Gläubiger wird. Die Anleihen werden auf einem speziellen Markt gehandelt und können dort auch noch während ihrer Laufzeit wieder liquidiert werden.

    Die Preise für Anleihen werden durch die Bonität des Schuldners bestimmt sowie durch die aktuelle Zinssituation. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse für Anleihen und umgekehrt. Die Bonität wird durch Ratingagenturen bestimmt, der beste Wert wird mit „AAA“ angegeben.

    Der Ertrag wird als Kupon angegeben, dieser ist die Zinszahlung aus der Anleihe, der Anleihebetrag wird am Ende der Laufzeit an den Gläubiger zurückgezahlt. Werden die Zinsen ebenfalls erst zum Ende der Laufzeit ausgezahlt, entfällt der Kupon und es handelt sich um sogenannte Nullkupon-Anleihen. Bekannte Arten von Anleihen sind Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen.

    Video: Anleihen: Was Anleger beachten sollten

  • Aktien

    Erwirbt ein Anleger Aktien, so erwirbt er auch Anleihen an einem Unternehmen, das als Aktiengesellschaft auftritt. Der Kurs der Aktie zeigt den täglich schwankenden Wert des Investments, meist werden Aktien an der Börse gehandelt. Je erfolgreicher das Unternehmen ist, desto besser sind die Kurse für die Aktien und desto höher fallen auch die Dividenden aus. Diese sind der Teil des Ertrags, der durch das Investment erzielt werden kann.

    Meist werden Dividenden einmal im Jahr ausgeschüttet, teilweise auch quartalsweise oder halbjährlich. Zwischenzeitlich können sich die Kurse für die Aktien steigern, was unter anderem am Land der Börsennotierung, an der Größe des Unternehmens und an den Stimmrechten, die an die Aktien geknüpft sind, liegen kann.

  • Rohstoffe

    Wie auch Immobilien zählen Rohstoffe zu den alternativen Anlageklassen, wobei zwischen Soft Commodities (anbaubare Rohstoffe) mit Direktinvestment und Hard Commodities (abbaubare Rohstoffe) ohne Direktinvestment unterschieden wird. Bei Rohstoffen sind die Chancen für eine hohe Rendite hoch, gleichzeitig ist das Risiko des Verlusts hier aber auch deutlich höher.

  • Beteiligungskapital

    Der Anleger beteiligt sich an einem Unternehmen und das außerhalb des Rahmens der Börse. Meist wird in junge Unternehmen investiert, die sich noch in der Anfangsphase befinden und die zum Start einer Geschäftsidee viel Kapital brauchen. Die Kapitalbindung ist meist sehr lang. Unterschieden wird in das Venture Capital, welches besonders risikostark ist, und in Private Equity mit einem deutlich geringeren Risiko.

    Mit zunehmenden Alter des Unternehmens sinkt meist das Risiko, dafür wird aber auch die Rendite schlechter. Um das Risiko besser streuen zu können, kann teilweise in Fonds oder Aktien von Unternehmen mit Private Equity investiert werden. Es handelt sich um eine nicht liquide Anlageform, daher ist die Kapitalbindung sehr lange.

  • Kryptowährungen

    Diese sind noch vergleichsweise neu am Markt und vor allem durch Bitcoin bekannt geworden. Sie sind teilweise an die Wertentwicklung der Rohstoffe gekoppelt, teilweise sind sie aber auch nur ein unbesichertes Zahlungsmittel. Über Onlinedepots erfolgen Erwerb und Verkauf der Kryptowährungen, die sich als sehr volatil darstellen. Das Investment in diese Anlageklassen wird als hoch risikoreich bezeichnet.

Über Onlinedepots erfolgen Erwerb und Verkauf der Kryptowährungen, die sich als sehr volatil darstellen. Das Investment in diese Anlageklassen wird als hoch risikoreich bezeichnet.  ( Foto: Shutterstock-Wit Olszewski  )

Über Onlinedepots erfolgen Erwerb und Verkauf der Kryptowährungen, die sich als sehr volatil darstellen. Das Investment in diese Anlageklassen wird als hoch risikoreich bezeichnet. ( Foto: Shutterstock-Wit Olszewski )

Welche Anlagenklassen sind die sinnvollsten?

Angesichts der zahlreichen Vor- und Nachteile verschiedener Anlageklassen ist es nicht allgemeingültig möglich, die besten Anlageklassen zu bestimmen. Jeder, der Geld investieren und damit einen Gewinn erzielen will, muss somit eigene Kriterien bestimmen, die individuell festgelegt werden.

Wichtig ist dabei auch, die persönlichen Erwartungen hinsichtlich der Anlageklasse zu definieren.

Fragen führen zur individuellen Anlageklasse

Da sich Investoren in vielen Punkten unterscheiden, kann es keine allgemeingültige Empfehlung für oder gegen einzelne Anlagenklassen geben.

Vielmehr helfen die Antworten auf folgende Fragen, die passende Anlagestrategie zu finden:

  • Wie hoch soll der Anlagebetrag sein?
  • Sollen Teilbeträge oder ein Gesamtbetrag investiert werden?
  • Über welche Laufzeit soll die Anlage festgeschrieben werden?
  • Sollen die ersten Erträge so schnell wie möglich fließen?
  • Bin ich bereit, für einen höheren Ertrag ein höheres Risiko einzugehen?
  • Setze ich vor allem auf Sicherheit?
  • Wie kann mit Wertschwankungen umgegangen werden?

Die Antworten darauf weisen den Weg zu den Anlagenklassen, die für einen Anleger ideal sind. Dabei gilt, dass sich ein Anleger nicht auf eine einzelne Anlageklasse beschränken sollte, sondern dass eine gewisse Streuung angestrebt werden muss. Eine Mischung aus verschiedenen Anlageklassen mit unterschiedlicher Haltedauer ist der beste Weg, denn so sind häufige Umschichtungen ebenso möglich wie komplette Veränderungen des Anlageportfolios.

Gleichzeitig kann damit auf Veränderungen in der eigenen finanziellen Lage reagiert werden. Unerfahrene Anleger sollten sich in jedem Fall durch einen Profi beraten lassen, denn eine falsche Geldanlage kann schnell zum großen Verlust führen.

Über Hans-Jürgen Schwarzer

Hans-Jürgen Schwarzer

Hans-Jürgen Schwarzer leitet die Content-Marketing-Agentur schwarzer.de. Als Marketer, Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de und industry-press.com. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatrioten dabei „ausgefallene“ Ideen und technische Novitäten besonders am Herzen.

Leave A Reply