Hedgefonds: Einfach erklärt!

Hedgefonds, Investmentfonds, Fonds-Manager – Begriffe, die einem oft in den Nachrichten begegnen. Doch was versteht man eigentlich genau unter ihnen und wie hängen sie miteinander zusammen? Vor allem die Bedeutung von „Hedgefonds“ zu kennen, kann nicht schaden, denn: sie haben wesentlich Anteil an der Finanzkrise. Wir bringen Licht ins Dunkel!

Hedgefonds und Investmentfonds: Definition I

Als Hedgefonds (im Englischen: „Hedge Funds“) werden ganz allgemein sehr riskante Investmentfonds bezeichnet. Um zu verstehen was damit genau gemeint ist, muss man zunächst die Bedeutung von Investmentfonds kennen. Ein Investmentfonds steht für ein Vermögen, das von einer Investmentgesellschaft (in Deutschland z.B. Deka, Allianz oder Global Investors) verwaltet und in unterschiedliche Wertgegenstände angelegt wird. Solche Wertgegenstände können Aktien, Anleihen, Devisen, Immobilien, Rohstoffe wie z.B. Gold oder auch Derivate sein.

Ein Investmentfonds (wie überhaupt jeden Fonds, z.B. den Aktien- oder auch Rentenfonds) sollte man sich am ehesten wie einen großen Topf vorstellen. In diesen Topf legen viele verschiedenen Sparer ihr Geld. Dieses gesammelte Vermögen wird dann von einem Fondsmanager, der den Topf gewissermaßen verwaltet, in jene Wertgegenstände angelegt.

Bei Investmentfonds unterscheidet man generell noch zwischen offenen und geschlossenen. Offene Fonds erlauben es, jederzeit Anteile zu erwerben und wieder an den Emittenten (also den Herausgeber) zurückzugeben. Man kann also jederzeit ein- und aussteigen, und: die Zahl der zur Verfügung stehenden Fondsanteile ist unbegrenzt. Bei ihnen spricht man – vereinfacht gesagt – von „normalen“ Investmentfonds.
Bei offenen Fonds ist das Gegenteil der Fall, das bedeutet: es existiert nur eine bestimmte Zahl an Fondsanteilen, die man erwerben kann. Wenn eine festgelegte Gesamtanlagesumme erreicht ist, wird der Fonds geschlossen. Diese Funds kann man daher nicht jederzeit kaufen und wieder verkaufen.

Einen Fonds kann man also gut als Geld- oder Kapitalsammelstelle umschreiben. Im Kern ist ein Hedgefonds auch nichts anderes als ein Investmentfonds, nur eben ein sehr riskanter.

Als Hedgefonds (im Englischen: „Hedge Funds“) werden ganz allgemein sehr riskante Investmentfonds bezeichnet. Um zu verstehen was damit genau gemeint ist, muss man zunächst die Bedeutung von Investmentfonds kennen. (#01)

Als Hedgefonds (im Englischen: „Hedge Funds“) werden ganz allgemein sehr riskante Investmentfonds bezeichnet. Um zu verstehen was damit genau gemeint ist, muss man zunächst die Bedeutung von Investmentfonds kennen. (#01)

Hedgefonds und Investmentfonds: Definition II

Am besten nähert man sich dem Begriff „Hedgefonds“, wenn man ihn auseinanderbaut und wortwörtlich übersetzt. Was Fonds sind, haben wir geklärt. Das entscheidende Wort ist hier das englische „to hedge“, was „absichern“ bedeutet. Und genau das war auch der ursprüngliche Gedanke bzw. das Ziel, wofür Hedgefonds einst sorgen sollten: sie sollten den Anleger vor diversen Risiken absichern, also ihn vor dem Verlust seines Geldes bestmöglich schützen. Jedoch ist dieser ursprüngliche Gedanke mittlerweile fast völlig verschwunden. Denn heutzutage sind die Verlustgefahren an den Märkten viel zu hoch und umfangreich, als dass das man noch von einem „Absichern“ sprechen könnte.

Hedgefonds haben vor allem in Amerika eine lange Tradition und erfreuen sich dort auch besonders großer Beliebtheit.
Genau wie bei anderen Investmentfonds entscheidet auch hier der Fondsmanager, was mit dem Geld passiert – nicht selten hunderte Millionen Dollar, die von Managern, CEOs und anderen „Gutverdienern“ investiert wurden. Jedoch verwaltet der Fondsmanager nicht nur dieses Kapital. Er verschafft sich zusätzlich oft auch noch weitere Finanzen, um sie in die Märkte zu investieren. Etwa, in dem er es sich von Kreditinstituten leiht.

Wenn der Manager sich für seinen Hedgefonds Geld von der Bank (Fremdkapital) leiht, so wird das als „leverage“ bezeichnet, was das englische Wort für „Hebel“ ist. Denn es soll ein Hebeleffekt erzielt werden. Das bedeutet: Die Manager versuchen, den gewährten Kredit so gewinnbringend zu investieren, dass die Rendite die Kosten der Kreditaufnahme übertreffen. Das Verb „hebeln“ erhält einen faden Beigeschmack wenn man sich vor Augen führt, dass u.a. auch die riskanten Hedgefonds vor einigen Jahren mitverantwortlich für die weltweite Finanzkrise waren. „Hedgefonds hebe(l)n Finanzwelt und Märkte aus den Angeln“ – so oder so ähnlich war es damals in nicht wenigen Medien zu lesen.

 

Hedgefonds haben vor allem in Amerika eine lange Tradition und erfreuen sich dort auch besonders großer Beliebtheit. Genau wie bei anderen Investmentfonds entscheidet auch hier der Fondsmanager, was mit dem Geld passiert – nicht selten hunderte Millionen Dollar, die von Managern, CEOs und anderen „Gutverdienern“ investiert wurden. (#02)

Hedgefonds haben vor allem in Amerika eine lange Tradition und erfreuen sich dort auch besonders großer Beliebtheit. Genau wie bei anderen Investmentfonds entscheidet auch hier der Fondsmanager, was mit dem Geld passiert – nicht selten hunderte Millionen Dollar, die von Managern, CEOs und anderen „Gutverdienern“ investiert wurden. (#02)

Mit Millionen jonglieren: der Hedgefonds-Manager

Fondsmanager (manche bezeichnen sie auch als Hedgefonds-Leiter) haben eine enorme Macht. Sie entscheiden letztlich, wie sie mit dem Vermögen der Investoren umgehen und worin sie es anlegen, z.B. in Aktien, Gold oder Immobilien. Oftmals sind die Manager auch am eigenen Fonds beteiligt. Was bedeutet, dass sie teilweise persönlich dafür haften. Sie gehen also selbst das Risiko ein, ihr eigenes Geld an den Märkten zu „verzocken“. Doch dieses Risiko wird gut bezahlt: laut Sueddeutscher Zeitung verdient Fondsmanager, der rund sieben Jahre Berufserfahrung mitbringt, im Schnitt ein Fixum von über 110.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen noch Boni, die bei mehreren zehntausend Euro liegen können. Dass die Jahreseinkommen beträchtlich sind, kann man auch anhand der diversen Online-Gehalts-Rechner, erkennen.
Das oberste Ziel eines Fondsmanagers: die Renditenmaximierung mit Hilfe bewährter, ausgewählter Strategien. Heißt: die professionellen Vermögensverwalter sollen das von den Anlegern investierte Geld in Immobilien-, Investment- oder Aktienfonds (z.B. Gold-Aktien) investieren und letztlich vermehren.

Um dieses Ziel zu erreichen, wenden sie unterschiedliche Strategien an, darunter vor allem Formen der technischen und der Fundamentalanalyse (Ermittlung eines angemessenen Preises für Wertpapiere). Allgemein gilt: die Manager haben große Freiheiten hinsichtlich der Auswahl der Finanzprodukte bzw. Wertgegenstände und welche Strategie sie wählen. Aber: sie gehen eben oft auch ein persönliches Risiko ein, indem sie mit ihren eigenen Finanzen haften. Deshalb brauchen sie viel Erfahrung und ein enormes Wissen, um erfolgreich zu kaufen und zu verkaufen bzw. zu spekulieren.

Denn es ist keine seelenlose Maschine oder ein blecherner Rechner für diese „Finanz-Bewegungen“ zuständig, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die über enormes wirtschaftliches und mathematisches Wissen verfügen. Natürlich kann sich auch ein Laie ein gewisses Finanz-Wissen oder Fonds-Wissen aneignen und anlesen. Doch was wirklich zählt, um erfolgreich in diesem Segment zu arbeiten und um Ergebnisse zu erzielen, die über den DAX-Werten liegen, lässt sich nicht einfach aus einem Buch erfahren: analytisches Denkvermögen und Stressresistenz beim Umgang mit den Finanzen. Finanzen und unermesslich hohe Vermögen, die die ganze (Finanz)Welt zum Einsturz bringen können.

 

Fondsmanager (manche bezeichnen sie auch als Hedgefonds-Leiter) haben eine enorme Macht. Sie entscheiden letztlich, wie sie mit dem Vermögen der Investoren umgehen und worin sie es anlegen, z.B. in Aktien, Gold oder Immobilien. Oftmals sind die Manager auch am eigenen Fonds beteiligt. (#03)

Fondsmanager (manche bezeichnen sie auch als Hedgefonds-Leiter) haben eine enorme Macht. Sie entscheiden letztlich, wie sie mit dem Vermögen der Investoren umgehen und worin sie es anlegen, z.B. in Aktien, Gold oder Immobilien. Oftmals sind die Manager auch am eigenen Fonds beteiligt. (#03)

Der „Hebeleffekt“ als größtes Risiko für die Märkte

Wie die Zeitung „Welt“ in ein einem Artikel von 2014 berichtete, treffe die Hedgefonds nämlich klar eine Mitschuld an der weltweiten Finanzkrise, die 2008 ihren Anfang nahm – und fast zum Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems führte. Dies hatten Frankfurter Wissenschaftler der Frankfurter Goethe Universität nachgewiesen. Die Manager hingegen wehren sich vehement dagegen und argumentieren, dass weniger die von ihnen verwalteten Funds Schuld am Kollaps der Märkte seien, als vielmehr die Banken. Die Wissenschaftler entgegnen: die Hedgefonds hätten die Krise zwar nicht allein und ausschließlich verursacht. Sie aber entscheidend verstärkt.

Das Hauptproblem sehen die Wissenschaftler – und Kritiker des Finanzmarktteilnehmers „Hedgefonds“ ohnehin schon seit langem – im „leverage“, also im (oben erwähnten) Hebeleffekt. Zur Verdeutlichung der damit zusammenhängenden Risiken, ein Beispiel: Der Fonds nimmt beim „hebeln“ Fremdkapital (z.B. einen Kredit von einer Bank) auf, um mit noch mehr Geld spekulieren zu können. Das Ziel: die Rendite des Einsatzes von eigenem Kapital zu erhöhen. Für diesen Kredit fallen Zinsen an, z.B. vier Prozent. Nun wird das Gesamtvermögen des Fonds aber so angelegt, dass er z.B. acht Prozent an Zinsen bringt. Hier spricht man von einem positiven Hebeleffekt. Und ein (ungeschriebenes) Gesetz besagt: „Je höher der Hebel, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Totalverlusts.“ So kam es ab 2007.

Wie die Zeitung „Welt“ in ein einem Artikel von 2014 berichtete, treffe die Hedgefonds nämlich klar eine Mitschuld an der weltweiten Finanzkrise, die 2008 ihren Anfang nahm – und fast zum Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems führte. Dies hatten Frankfurter Wissenschaftler der Frankfurter Goethe Universität nachgewiesen (#04)

Wie die Zeitung „Welt“ in ein einem Artikel von 2014 berichtete, treffe die Hedgefonds nämlich klar eine Mitschuld an der weltweiten Finanzkrise, die 2008 ihren Anfang nahm – und fast zum Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems führte. Dies hatten Frankfurter Wissenschaftler der Frankfurter Goethe Universität nachgewiesen (#04)

Hedgefonds und ihre Rolle in der Finanzkrise

Angenommen, die Märkte verlaufen entgegen den Prognosen und Schätzungen, dann entsteht für die Fonds-Anleger in der Folge ein hohes Risiko. Denn: das Vermögen wird zuerst dafür verwendet, den Kredit zu tilgen bzw. das Fremdkapital zurückzuzahlen. Das kann dazu führen, dass – nach der Begleichung des Kredits – das komplette Vermögen aufgebraucht ist. Die Folge: das Kapital für die Zins- und Tilgungsleistungen an die Anleger, reicht nicht mehr aus.

Exakt dazu kam es 2007/08, als die Finanzkrise die Märkte erschütterte. Damals wurden die Gefahren und Risiken der Hedgefonds offensichtlich. Viele Investoren erhielten ihr angelegtes Geld nicht mehr zurück, da das Kapital der Hedgefonds aufgebraucht war oder unwiederbringlich verloren ging. Die Konsequenz für viele Anleger waren Verluste in Millionenhöhe. Es ging sogar soweit, dass einige Hedgefonds im Zuge der Finanzkrise schließen mussten. Seitdem die Krise überwunden ist, befinden sie sich allerdings wieder im Aufwind und fahren satte Gewinne ein.

Aber immerhin hat sich nach der weltweiten Krise etwas Entscheidendes geändert. Denn seit 2011 werden Hedgefonds in Europa überwacht, und zwar von einer supranationalen Organisation: der Europäischen Wertpapier und Marktaufsichtbehörde (ESMA), die zu verhindern versucht, dass es erneut zu solch einem verlustreichen Zusammenbruch der Märkte kommt.

 

Im Jahre 2014 waren in Deutschland 38 solcher Fonds zugelassen. Überwacht und beaufsichtigt werden sie hierzulande von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Außerdem ist der deutsche Markt wesentlich stärker reguliert als vergleichbare, große Märkte wie z.B. jener in den USA. So ist in Deutschland z.B. der Einsatz von fremdem Kapital begrenzt. (#05)

Im Jahre 2014 waren in Deutschland 38 solcher Fonds zugelassen. Überwacht und beaufsichtigt werden sie hierzulande von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Außerdem ist der deutsche Markt wesentlich stärker reguliert als vergleichbare, große Märkte wie z.B. jener in den USA. So ist in Deutschland z.B. der Einsatz von fremdem Kapital begrenzt. (#05)

Hedgefonds in Deutschland

In Deutschland ist es erst seit relativ kurzer Zeit möglich, überhaupt mit Hedgefonds zu handeln. Geändert hat sich das mit dem Investment-Modernisierungsgesetz, das im Januar 2004 in Kraft trat. Seitdem ist der „Vertrieb von Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ gesetzlich zulässig. Allerdings ist dieses „Sondervermögen“ nicht mit den internationalen, großen Hedgefonds vergleichbar.

In Deutschland dürfen Manager zwei Instrumente nutzen, um mit den Funds zu handeln:

  • dem Leerverkauf und
  • dem Einsatz von Fremdkapital (Kredite)

Im Jahre 2014 waren in Deutschland 38 solcher Fonds zugelassen. Überwacht und beaufsichtigt werden sie hierzulande von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Außerdem ist der deutsche Markt wesentlich stärker reguliert als vergleichbare, große Märkte wie z.B. jener in den USA. So ist in Deutschland z.B. der Einsatz von fremdem Kapital begrenzt. Deswegen kann man hier eigentlich weniger von Hedgefonds im eigentlichen Sinne sprechen als vielmehr von klassischen Investmentfonds mit lediglich mehr Freiheiten.

Hedgefonds in Deuschland nur geringe Bedeutung

Eine weitere Zahl macht klar, dass die Bedeutung dieser Fonds in Deutschland relativ gering ist. Aktuell verwalten sie ein weltweites Vermögen in Höhe von unglaublichen 3 Billionen Dollar. Das entspricht mehr als dem doppelten aller Löhne und Gehälter, die in Deutschland im Verlauf eines ganzen Jahres, gezahlt werden. Der Anteil der deutschen Fonds daran, beträgt nicht einmal ein Prozent.
Rund 70 Prozent dieses Vermögens gehört stattdessen zu Funds, die in karibischen Steueroasen angesiedelt sind, wie z.B. den Cayman Inseln. 22 Prozent haben ihren Sitz in den USA. Allerdings: fast 75 Prozent des Kapitels wird nicht an den exotischen Standorten der Karibik verwaltet, sondern von zwei Staaten aus: Großbritannien und den USA. Experten gehen davon aus, dass – allein in den USA und Großbritannien – 40 bis 70 Prozent des Aktienumsatzes am Tag, auf diese Funds zurückzuführen sind.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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