Studie der Europäischen Kommission zu Immobilientransaktionen

19.06.2009 | Berlin
Deutsche Notare im europäischen Vergleich kostengünstig. Die Europäische Kommission hat heute eine Studie über die Kostenstruktur im Bereich der Liegenschaftstransaktionen vorgestellt. Die Studie soll beweisen, dass höhere Regulierung zu höheren Preisen für den Verbraucher führt. Wie der Präsident der Bundesnotarkammer, Notar Dr. Tilman Götte, feststellt, ist nach den Ergebnissen der Studie jedoch das Gegenteil der Fall.

"Speziell Deutschland bescheinigt die Studie in dem für das Marktverhalten relevanten Bereich der Massengeschäfte unter Berücksichtigung des Pro-Kopf-Einkommens zusammen mit Schweden absolut gesehen die niedrigsten Kosten", so Götte.

Das deutsche Notarsystem als stark reguliertes System ist damit für den Verbraucher im Durchschnitt kostengünstiger als die von der Studie als Vorbild hingestellten deregulierten Transaktionssysteme in England und den Niederlanden. Merkwürdigerweise werden die günstigen Zahlen für Deutschland in der Kurzzusammenfassung ("Standalone paper") der Studie verschwiegen und nur in der Langfassung genannt.

Unverständlich ist auch, dass sich die Studie auf eine Analyse der Kosten für rechtliche Tätigkeiten beschränkt, obwohl diese nach den Erkenntnissen der Studie selbst weniger als 1 % des Kaufpreises ausmachen. Der Großteil der Transaktionskosten entfällt demgegenüber nach der Studie selbst auf die Maklercourtage (zwischen 31,5 % und 45,5 % der Gesamtkosten) und auf die Grunderwerbsteuer (bis zu 40 % der Gesamtkosten).

"Die Kosten für die rechtliche Begleitung von Liegenschaftstransaktionen fallen neben den Maklergebühren und neben den Steuern nicht nennenswert ins Gewicht", so Götte weiter.

Außerdem weist die Studie zahlreiche methodische Mängel auf. So ist insbesondere die Datengrundlage der Studie sehr klein. Zur Bewertung der Qualität der verschiedenen Transaktionssysteme wurden im Schnitt nur rund 30 Personen pro Land befragt. Repräsentativen Umfragen liegen jedoch üblicherweise mindestens 1.000 Erhebungen zugrunde. Außerdem findet sich in den Ländern, die als vorbildhaft hingestellt werden, ein hoher Anteil von Eigenbewertungen durch den jeweils betroffenen Berufsstand (zum Teil fast 70 %).

"Im Übrigen geht die Studie auf den unterschiedlichen Grad an Rechtssicherheit in den verschiedenen Systemen nicht ein", sagt Götte. "Während in Deutschland dank notarieller Wirksamkeitskontrolle und Grundbucheintragung sicher feststeht, dass der Käufer Eigentum erworben hat, bieten die Systeme ohne Notar keine vergleichbare Gewissheit."

Bereits im Herbst 2007 hatte der Harvard-Professor Peter L. Murray in einer umfassenden Untersuchung dem notariellen Transaktionssystem in Deutschland im Vergleich zu England und Schweden niedrige Kosten und eine hohe Qualität bescheinigt.

Quelle: Pressemeldung Bundesnotarkammer

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