Marktkommentar: An den Börsen kehrt die Hoffnung zurück
Nach einer Vielzahl schlechter Konjunkturnachrichten mehren sich nun die Anzeichen, dass die Talfahrt langsamer verläuft. Nicht nur in den USA, wo die Politik eine Stabilisierung der Lage prognostiziert, sondern auch in Europa, wo die Wachstumsraten des ersten Quartals stark abgesackt sind. Zwar lag der Rückgang der deutschen Wirtschaft mit 6,9 Prozent gegenüber Vorjahr deutlich unter den allgemeinen Erwartungen, doch das Abflachen des Abschwungs im Monat März stützt die Zuversicht, dass sich die Lage entspannen könnte.
Aktienmärkte: Nach Trendwechsel Aktien übergewichten
Die Aktienmärkte konnten ab Mitte März die erlittenen Verluste des Jahresauftakts wieder wettmachen und notieren nun leicht im Plus. Deutlich besser schlugen sich die wachstumsstarken Länder Asiens und Südamerikas. Der Index der Region Pazifik legte im Jahresverlauf um ca. 26 Prozent (in Euro) zu. Mit über 40 Prozent Kursgewinn setzten sich die chinesischen und indischen Börsen an die Spitze, nachdem diese im Vorjahr überdurchschnittlich verloren hatten.
Trotz der vielen konjunkturellen Unsicherheiten halten wir eine Fortsetzung der Aktienerholung für wahrscheinlich. Die verbesserten Frühindikatoren sollten auch in den kommenden Wochen die Stimmung der Börsianer aufhellen. Gelingt ein Trendwechsel an den Märkten, dürfte das noch große Lager der Pessimisten kleiner werden. Das wird zu Anschlusskäufen führen. Viele Marktteilnehmer könnten sich veranlasst sehen, ihre vorsichtige Haltung aufzugeben und ihre noch erheblichen Liquiditätsreserven zu investieren. Doch trotz dieser positiven Börsenaussichten ist auch in den kommenden Wochen mit anhaltend starker Volatilität zu rechnen.
Risikobereitschaft wächst wieder
Für die wachsende Risikobereitschaft sprechen auch die niedrigen Renditen von Staatsanleihen sowie die unattraktiven Geldmarktsätze, die inzwischen keine nennenswerte Verzinsung von Termineinlagen mehr zulassen. Auch deswegen sind Umschichtungen in die internationalen Aktienmärkte zu erwarten. Wir empfehlen daher Engagements in europäische Standardwerte. Die Übergewichtung der Region Asien halten wir nach der hervorragenden Entwicklung in den vergangenen Wochen nicht weiter aufrecht und empfehlen eine vorsichtigere Gangart. Gleiches gilt für die USA und Japan, die aufgrund der Schwäche von US-Dollar bzw. japanischen Yen für Euroanleger Risiken bergen.
An den Anleihemärkten sind Staatsanleihen weiter rückschlagsgefährdet. Aus unserer Sicht sollten lediglich kurze Laufzeiten von bis zu drei Jahren erworben werden. Weiterhin interessant erscheinen uns bonitätsstarke Unternehmensanleihen bzw. darin investierende breit gestreute Investmentfonds, die wir zu Lasten von Staatsanleihen übergewichten.
Für den chancenorientierten Anleger bieten sich auch kleinere Positionen von Schwellenländer- sowie Hochzinsanleihen an, deren Kurse von den rückläufigen Risikoprämien profitieren sollten.
Ebenfalls für vielversprechend halten wir die Beimischungen von Rohstoffen und Edelmetallen, die sich am besten über breit diversifizierte Commodity-Fonds abbilden lassen.
Konjunktur: Vom freien in den gebremsten Fall
Ob in Europa, Japan oder den USA, nahezu überall sind die Volkswirtschaften im 1. Quartal stark eingebrochen, wobei die US-Wirtschaft mit einer Schrumpfung von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal besonders schlecht abgeschnitten hat. Aus den harten Daten zum Konjunkturverlauf, sei es zur Industrieproduktion oder auch zum Arbeitsmarkt, lassen sich derzeit noch keine Hinweise auf eine Verbesserung ableiten.
Wirtschaftliche Trendwende absehbar
Glaubt man den Aktienbörsen, dürfte aber bereits die wirtschaftliche Trendwende absehbar sein, denn es hat sich immer wieder gezeigt, dass die Märkte die konjunkturelle Entwicklung mit einem mehrmonatigen Vorlauf antizipieren. Es sind also im Wesentlichen die Erwartungen, die das Geschehen an den Märkten prägen. Diese basieren stark auf wirtschaftlichen Frühindikatoren und Stimmungsbarometern, die z.B. das Konsumentenvertrauen oder die Konjunktureinschätzungen abbilden. Aber auch Daten wie Auftragseingänge oder Einkaufsmanagerumfragen liefern frühzeitig Hinweise auf die zukünftige Wirtschaftslage.
Steigende Zahl von Arbeitslosen kann Konjunkturaufschwung bremsen
Für eine nachhaltige Trendwende gilt jedoch, dass dem Anstieg der Frühindikatoren eine tatsächliche Verbesserung der Geschäftslage folgen muss. Hier lauern jedoch noch erhebliche Risiken. So kann zum Beispiel die nach wie vor steigende Zahl von Arbeitslosen den Konjunkturaufschwung bremsen. Eine vergleichbar negative Wirkung könnte in den USA vom Immobilienmarkt ausgehen. Hohe Leerstandsquoten und weiter fallende Hauspreise bleiben eine Gefahr für Immobilienbesitzer und Hypothekenmarkt.
Auch die umfangreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen bergen die Gefahr, dass diese das spätere Wachstum begrenzen.
Autor: Michael Schürmann, Anlageexperte bei der Gries & Heissel Bankiers AG, Wiesbaden
Quelle: Pressemeldung Delta Lloyd Deutschland AG
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