Freiburg: der Agglomerationsgewinner der Westschweiz

09.09.2010 | Zürich
Neue Studie der Credit Suisse zum Kanton Freiburg

Das rasante Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte hat dem einstigen Landwirtschaftskanton Freiburg ein neues Gesicht verliehen. Die Wirtschaftsstruktur ist heute breiter diversifiziert und kann auf zahlreiche zukunftsträchtige Branchen zählen, zunehmend auch in der wertschöpfungsstarken Industrie. Die Bevölkerung wächst in keinem anderen Kanton der Schweiz so stark wie in Freiburg. Die ausgesprochen hohe Attraktivität als Wohnregion drückt sich in einer dynamischen Zuwanderung aus dem In- und Ausland aus. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass sich die Wachstumsdynamik der letzten Jahre im Kanton Freiburg langsam auch in einer Verbesserung der Wirtschaftskraft niederschlägt.

Die geographische Lage zwischen Bern als politischem Zentrum des Landes und dem Genferseebogen verschafft dem Kanton Freiburg eine gute Ausgangslage, um von den Impulsen dieser Wirtschaftsräume zu profitieren. Umfangreiche Baulandreserven und erschwingliche Immobilienpreise runden das Profil Freiburgs ab, der zum Agglomerationsgewinner der Westschweiz avanciert ist. Das in den letzten Jahren verzeichnete Wachstum von Bevölkerung und Beschäftigung ist unter anderem Ausdruck von Ausweichbewegungen, die aus dem zunehmenden Siedlungsdruck in den Ballungsräumen und den damit einhergehenden Problemen in Form von hohen Boden- und Immobilienpreisen sowie Verkehrsüberlastung entstehen.

Freiburger Bevölkerungswunder

Der Kanton Freiburg verzeichnet die höchste Bevölkerungsdynamik in der Schweiz. Im vergangenen Jahrzehnt wuchs die Freiburger Bevölkerung annähernd doppelt so stark wie das Schweizer Mittel. Angetrieben von der ausserordentlichen Dynamik der Genferseeregion, erreichen dabei das Greyerzerland und die Region Glane/Vivisbach die höchsten Zuwachsraten. Haupttreiber des Freiburger "Bevölkerungswunders" ist die Migration. Zuwanderer in sämtlichen Altersklassen und aus dem In- und Ausland ziehen in den Kanton Freiburg, der insbesondere für Familien eine ausgesprochen hohe Anziehungskraft ausübt. Trotz der beachtlichen Bevölkerungsdynamik erreicht das Haushaltseinkommen des Kantons noch kein überdurchschnittliches Wachstum. Im langfristigen Vergleich zeigt sich jedoch, dass der Kanton Freiburg seine Einkommenskraft schrittweise verbessern konnte. Zwischen 1975 und 2006 ist beispielsweise das Reineinkommen leicht stärker gewachsen als im nationalen Mittel.

Hohe Steuerbelastung als Standortnachteil

Im diesjährigen Standortqualitätsindikator der Credit Suisse rangiert der Kanton Freiburg auf dem 23. Rang der 26 Kantone. Gegenüber der ersten Berechnung des Standortqualitätsindikators in der aktuellen Form im Jahr 2004 hat der Kanton zwei Ränge eingebüsst. Dieser Rangverlust ist nicht in erster Linie mit einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen in Freiburg zu erklären, sondern ergibt sich aus den Investitionen anderer Kantone insbesondere in ihre steuerliche Attraktivität, welche die jüngste Phase eines intensiven Steuerwettbewerbs in der Schweiz kennzeichnen. Die kantonale Steuerpolitik führt sowohl für natürliche als auch juristische Personen in sämtlichen Regionen zu einer unterdurchschnittlichen steuerlichen Attraktivität. Auf Seiten der natürlichen Personen liegt der Kanton Freiburg auf einem ähnlichen Niveau wie Bern und das Waadtland. Bei der Steuerbelastung der juristischen Personen kann sich Freiburg deutlich besser positionieren als der Kanton Waadt, ist jedoch weniger attraktiv als der Kanton Bern, der eine Belastung im Schweizer Mittel aufweist. Beim Ausbildungsstand der Bevölkerung, der Verfügbarkeit von Hochqualifizierten sowie bei der Erreichbarkeit kommt der Gegensatz zwischen ländlichen und urbanen Gebieten innerhalb des Kantons deutlich zum Vorschein: In den ländlich und agrarisch geprägten Regionen Greyerzerland, Glane/Vivisbach und Broye bleiben diese Standortfaktoren unter dem kantonalen und, insbesondere im Fall des Ausbildungsstands der Bevölkerung unter dem nationalen Mittel. Der stärker urbanisierte und dicht besiedelte Norden/Nordwesten des Kantons, allen voran die Region Saane, erreichen hingegen deutlich günstigere Bewertungen.

Den Freiburger Haushalten bleibt unter dem Strich mehr Einkommen zur freien Verfügung

Bezüglich der finanziellen Wohnattraktivität gehört der Kanton Freiburg zum Mittelfeld der Schweizer Kantone. Innerhalb der Westschweiz steht er an der Spitze, wenn man vom Wallis und Jura mit gebirgigen und teilweise peripheren Gebieten absieht. Während für eine breite Schicht von Haushalten Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen vielerorts unerschwinglich sind, sind die Immobilienpreise im Kanton Freiburg im Westschweizer Vergleich moderat. Grosse Preisvorteile weisen die Freiburger Regionen insbesondere gegenüber dem Genferseeraum auf. Die hohe Steuerbelastung schlägt sich jedoch stark in den Budgets der Haushalte nieder, was einen besseren Rang bei der finanziellen Wohnattraktivität verhindert.

Freiburger Wirtschaftsstruktur im Wandel

Knapp 60% der Fläche im Kanton Freiburg wird zwar nach wie vor von der Landwirtschaft genutzt, die Wirtschaftsstruktur ist heute jedoch breiter diversifiziert und kann auf zahlreiche zukunftsträchtige Branchen zählen, insbesondere in der wertschöpfungsstarken Industrie. Die klassischen Standbeine in der Lebensmittel-, Maschinen- und Metallindustrie wurden nach und nach durch Bereiche wie Pharmazeutik, Elektronik, Robotik oder Präzisionsinstrumente ergänzt. Ausserdem konnte sich der Kanton Freiburg als Standort für schweizerische und europäische Niederlassungen grosser internationaler Konzerne etablieren. Im Zuge dieser Veränderungen hat sich die Beschäftigung im Kanton Freiburg zwischen 1995 und 2008 überdurchschnittlich stark entwickelt, wobei die Spitzenindustrie und die Unternehmensdienstleistungen wichtige Beiträge leisteten. Durch den damit einhergehenden Strukturwandel hat sich das Chancen-Risiken-Profil des Freiburger Branchenportfolios deutlich verbessern können. Die kantonale Wirtschaft entwickelt sich zielstrebig weg von der ehemaligen Agrarwirtschaft hin zur modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft. Gleichwohl bleibt die Bewertung des Wachstumspotentials der Wertschöpfung zurzeit noch im Schweizer Durchschnitt.

Quelle: Pressemeldung Credit Suisse

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