Die Marktmeinung aus Stuttgart

27.01.2010 | Stuttgart
Die europäischen Aktienmärkte haben ihre Talfahrt beendet, oder doch nur unterbrochen? Die Gründe für diese Beruhigung: Zum einen hat sich in Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex stärker als erwartet positiv gezeigt und somit eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung angedeutet, zum anderen hat sich das US-Verbrauchervertrauen im Januar deutlich aufgehellt und auch aus dem asiatischen Raum sind positive Konjunkturdaten vermeldet worden.

Die japanische Notenbank belässt ihren Leitzins bei null, um so der Wirtschaft weitere Impulse zu geben. China hat die heimischen Banken angewiesen, ab sofort ihre Kapitalreserven zu erhöhen. Ziel ist, durch eine Drosselung der Kreditvergabe eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden. Auf dem Währungssektor tritt nun eine Beruhigung ein. Der Euro konnte davon profitieren, dass die neue Griechenland-Anleihe mehrfach überzeichnet wurde und somit kein zusätzliches Misstrauen in die Währung aufkam. Auch einige Quartalszahlen konnten sich positiv durchsetzen, auf deutscher Seite Siemens und in den USA Dupont. Trotz allem kann man die Stimmung der Marktteilnehmer aber nicht als euphorisch ansehen, dies ist deutlich an den Indizes zu erkennen. Der Dax hat ohne Weiteres die Unterstützungslinie von 5.800 Punkten unterschritten und sogar die 5.600-Punkte-Marke kurzfristig getestet. Sollte diese nicht halten, ist ein Rückschlag in Richtung 5.250 Punkten unvermeidbar. Der Euro Stoxx 50 hat ebenfalls seine Unterstützungslinie erreicht, die bei 2.500 Punkten liegt. Erst wenn der Index über 2.600 Punkte ansteigen sollte, kann der alte Aufwärtstrend fortgesetzt werden, ansonsten besteht Rückschlagsgefahr bis 2.350 Punkte. Der Dow-Jones-Index liegt auf seiner 100-Tage-Durchschnittslinie von 10.150 Punkten, die nächste Unterstützungslinie ist auf der 200-Tage- Durchschnittslinie von 9.500 Punkten. Auch wenn sich das konjunkturelle Umfeld in einzelnen Regionen verbessert, so zeigen sich doch immer wieder Gefahren, die sich zurzeit insbesondere bei den hohen Staatsverschuldungen der einzelnen Länder widerspiegeln. Trotz der starken Überzeichnungen der neuen Anleihe von Griechenland bemüht sich der Staat zusätzlich um eine Zeichnung von 25 Mrd. Euro, die in diesem Falle China komplett übernehmen soll. Ob die Regierung in Peking diese Art Staatsbeteiligung übernimmt, ist noch offen. Bisher hat sich die chinesische Regierung nur Zugang und Einfluss in den afrikanischen Ländern verschafft. Insofern wird Griechenland eine Währungsprobe für den Euro sein. Die Entwicklung an den Aktienmärkten ist eng verknüpft mit der Währungslage, auch die weltweiten Notenbanken schauen intensiv in diese Richtung, um eventuelle Zinserhöhungen vorzubereiten. Sollte es in den nächsten Monaten zu einer geldpolitischen Straffung kommen, dürfte sich der Aktienmarkt negativ entwickeln. Kurzfristig wird der Fokus aber auf die laufende Quartalssaison und den Rückblick auf das 4. Quartal der Unternehmen gerichtet sein. Solange die Analysten sich nicht wieder bemüßigt fühlen, ihre Messlatten zu hoch anzusetzen, sind auch keine Enttäuschungen vorprogrammiert und einzelne positive Nachrichten können mit Kursgewinnen quittiert werden. Insgesamt bleiben die Aktienmärkte angespannt, so dass es weiterhin notwendig ist, eine defensive Strategie anzusetzen. Wir empfehlen die Branchen Pharma, Versorger und Nahrungsmittel. Bei den Einzelwerten ist dies Bayer, der Versorger Fortum und Nestlé. Bei der Länderallokation nehmen wir eine Verstärkung zugunsten Brasiliens vor.

Quelle: Pressemeldung Bankhaus Ellwanger & Geiger KG

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